Das Alt-Wiener-Schnaps-Museum stellt seit einigen Jahren zwei anis-freie Absinthe Namens Mata Hari (60%) und Grüne Fee (50%) her.

Kurios an beiden ist zunächst einmal, daß sie, obgleich ohne Anis hergestellt, eine gar nich mal so schwache Trübung vorweisen können.

Beide bestehen neben Alkohol aus Mazeraten, künstlichem Farbstoff und Zucker, und im Falle des Mata Hari aus Wermut-Öl also lauter Dingen, die in einem hochwertigen Absinthe nichts verloren haben!

Geschmacklich unterscheiden sich die beiden nur insofern, daß die später entstandene Grüne Fee den etwas aufdringlichen Geschmack der Veilchen-Wurzel des Mata Hari nicht oder nocht in derart störendem Maße enthält, wie dieser. Ansonsten sind die üblichen Kräuter, die auch in tschechischen Mundwasser-Absinthen wie Fruko Schulz, Stromu und Hills enthalten sind, mit von der Partie: Fenchel und etwas Minze. Das in nicht unerheblichem Maße enthaltene Wermut-Öl macht sich beim Mata-Hari allerdings auch geschmacklich bemerkbar, was man von den o.g. Tschechen nicht behaupten kann.

Ich habe anfänglich tatsächlich auch mehr als ein Glas des Mata Hari getrunken, allerdings war der Geschmack nie wirklich ein Genuß. Irgendwie machte er einen derart befremdlich, einzigartigen (quasi abartigen) Eindruck, daß ich das Gefühl bekam, es müsse sich hier um genau das handeln, was damals die Leute in den Wahnsinn getrieben hat! In dem Moment, in dem ich aber feststellte, daß authentischer Absinthe so niemals geschmeckt hatte, verlor der Mata Hari so schlagartig an Interessantheit, daß die letzte Flasche sich als Investition für die Ewigkeit herausstellte.
Nichts desto trotz, sind beide den oben erwähnten Tschechen geschmacklich durchaus noch überlegen, auch wenn man deshalb noch nicht von einem kulinarischen Genuß sprechen kann.

Ein Quantensprung ist dem Wiener Schnapsmuseum allerdings mit dem Anfang 2005 erschienenen Absinthe Montmartre (65%) gelungen, welcher in Zusammenarbeit mit Roman Gundacker (alias Tuivel) konzipiert wurde.

Der Montmartre hat mit den anderen Produkten des Schnapsmuseums nicht die geringste Ähnlichkeit, da es sich um ein handwerklich einwandfrei hergestellten Absinthe handelt, was sich auch geschmacklich deutlich definieren läßt.

Neben einem deutlichen Wermut-Destillat, der einen leicht Parfum-artigen Geruch beisteuert, und einer ebenso intensiven (fast etwas zu dominanten) Färbung mit Artemisia Pontica, welcher ihm ein tiefgrüne Farbe verleiht, die unter Wasserzugabe deutlich aber noch nicht übermäßig opalisiert, kann ein prägnantes wenn auch nicht aufdringliches Aroma aus Orangen und Zitronenschalen als Charakteristikum des Montmartre angesehen werden. Der im Destillat vorhandene grüne Anis ist zwar präsent aber nicht dominant, so daß er den Geschmack abrundet, und auch Anis-Phobikern die Freude an diesem etwas ungewöhnlichen Absinthe nicht verderben dürfte.

Der leicht Glühweingewürz-artig anmutende Geschmack ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, nach ein paar Schlücken war ich dann aber doch absolut begeistert von der Komplexität dieses Absinthes, der durch seine Eigenständigkeit eine echte Bereicherung der Absinthe-Landschaft darstellt, und das auf einem Niveau in etwa in der Mitte zwischen Libertine und Jade.