Im Gegensatz zu den anderen Spirituosen mit der Bezeichnung Absinto muß man beim Absinto Camargo (54%) aus Brasilien lobend erwähnen, daß er tatsächlich deutlich destillierten Wermut enthält, was man vom Absinto Extase nicht und vom Absinto Neto Costa kaum behaupten könnte.

Damit endet aber auch schon die Lobhudelei, da ansonsten ein Fehler nach dem anderen gemacht wurde. Zunächst mal wurde das Destillat anschließend noch mal mit Wermut versetzt, was man normaler weise als Wermut-Färbung bezeichnet und selbst bei guten Absinthen wie dem Segarra 68 vorkommt. Die zog leider prompt eine Vor-Zuckerung nach sich, wobei wir dann auf dem Niveau des Sebor angekommen wären. Doch damit nicht genug, wurde dann die Wermut-Färbung durch künstliche Farbstoffe ad absurdum geführt. Leider besitzt er nahezu keinen Anis, so daß er alles andere als gut ausbalanciert herüber kommt, dafür aber ordentlich Zitronenmelisse - so daß wir hier schließlich bei einer Art tschechischem Montana ankommen.

Das ganze klingt aber schlimmer, als es letztlich ist. Wermut, Zucker und Zitronenmelisse sorgen nämlich dafür, daß er wenigstens keinen chemischen Eindruck hinterläßt, so daß man kann ihn noch trinken kann. Von einem Spitzenprodukt ist er allerdings Lichtjahre entfernt.