Zum 01.03.2005 wurde nun endlich auch das Absinthe-Verbot in der Schweiz außer Kraft gesetzt, und so wagte der ehemalige Schwarzbrenner Claude Alain Bugnon als erster nach Yves Kübler den Schritt in die Legalität, und destilliert seit Anfang 2005 somit den zweiten legal hergstellten La Bleue aus dem Val de Travers, den er einfach nur La Bleue Clandestine (53%) nannte.

Wie jeder echte La Bleue handelt es sich beim Bugnon Clandestine um ein reines Kräuter-Alkohol-Destillat, in dem man aufs deutlichste den Wermut und in diesem Fall etwas zurückhaltender den grünen Anis zu spüren bekommt. Dafür ist beim Clandestine der Fenchelanteil etwas überdimensioniert. Weitere Geschmackselemente sind kaum auszumachen, was ihn wesentlich weniger komplex und wohlbalanciert dastehen läßt als Spitzenbleues wie den Kübler 53 oder den Valote Martin, die neben den Hauptaromen auch noch einen vollen Körper vorzuweisen haben, die dem Clandestine fehlt.
Clandestine 72 Edition Marianne Clandestine Edition Limitée

Der Unterschied zwischen der Edition Limitée und dem normalen Clandestine ist lediglich das Etikett. Dies liegt daran, daß Alandia für die Edition Limitée die Exklusivrechte hatte, was auch dafür sorgte, daß der Clandestine (wie alle Alandia-Produkte) zu völlig überhöhten Preisen auf den Markt kam. Bei der Edition Marianne wurde, um französischem Recht gerecht zu werden, der Fenchelanteil reduziert, so daß dieser zwar etwas mehr nach La Bleue schmeckt als der normale Clandestine, dafür aber auch noch eindimensionaler und noch dünner. Der Clandestine 72 ist wie es scheint identisch mit der Edition Marianne, außer daß hier weniger Wasser zugesetzt wurde. Sein Preis ist im Verhältnis etwas akzeptabler, wenn er auch immernoch zu teuer ist.

Insgesamt sind alle vier Clandestine-Absinthe zu teuer für ihre eher mäßige Leistung. Ihr einziger Vorteil ist die hohe Intensität des Wermut-Destillats, sehr ausgefeilt ist der Geschmack aber nicht gerade, so daß man vermuten kann, daß diesen Absinthe so ziemlich jeder Destillateur im Val de Travers ohne Probleme auch hingekriegt hätte, wenn er gewollt hätte.