Cami Gottesauge Tempel Toulouse
Lautrec
Songe Vert Extrait
de la Fée
Cami's
Gold


Im Gegensatz zu anderen Destillerien in Tschechien, die irgendwann ein Produkt aus der Taufe gehoben haben, und dieses dann einfach nur versuchen möglichst gewinnbringend zu vermarkten, oder durch kommerziellere Derivate den Gewinn zu maximieren, muß man der Cami-Destillerie zu gute halten, daß ihre Produkte sich im Laufe der Zeit stets verbessert haben, was für meine Begriffe eine gute Destillerie mit ausmacht.

Charakteristisch für ihre Produkte ist neben dem Alkoholgehalt von 66%Vol und der fehlenden Vorzuckerung, was sie in Tschechien tatsächlich allein auf weiter Flur stehen läßt, eine Grund-Bitterkeit, die an irgendwelche Kräuter-Bitter erinnert, da sie aus einem undefinierbaren Sammelsurium von Kräutern entsteht, welche genau genommen, eigentlich gar nicht in Absinth hinein gehören.

Das erste Produkt der Serie trägt einfach nur den Namen Cami und ist leider noch weitestgehend auf dem Niveau der schlechten Tschechen wie Fruko Schulz anzusiedeln. Sein Geschmack besteht letztlich nur aus Fenchel ohne weitere Nuancen, als einziger unter den Cami-Absinthen wurde er künstlich gefärbt

Eine deutliche Steigerung waren dann schon Absinth-Tempel und Gottesauge, wobei die beiden sich im wesentlichen nur dadurch unterscheiden, daß der Absinth Gottesauge mehr Stern-Anis enthält, trüben tun allerdings beide nicht. Der Wermut wurde bei beiden mazeriert, was aber vor der Grund-Bitterkeit der anderen Kräuter kaum ins Gewicht fällt.

Die nächste Generation waren dann Songe Vert und Extrait de la Fée, die einander ebenfalls bis auf den Sternanis-Gehalt gleichen, der beim Extrait de la Fée stärker ist. Beide sind reine Wermut-Destillate, die allerdings auf Grund der anderen, bitteren Färbekräuter nur schwer eindeutig als solches zu identifizieren sind.
Beide sind mit genügend Zucker durchaus trinkbar, wenn ich persönlich auch das Thujon-Theater absolut peinlich finde, daß bei diesen beiden veranstaltet wurde: 34,074ppm Tujol - Aua! Das schlimmste ist, daß das Brimborium, welches nötig ist, um den Gehalt exakt zwischen 34 und 35ppm zu plazieren, angeblich allein 8€ pro Flasche kostet - mir fehlen die Worte!

Als derzeit letzter, typisch tschechischer Absinth, ist der Cami's Gold als vergleichsweise beste Version anzusehen, obwohl er kaum Anis enthält. Er ist ein Wermut-Destillat und sein Geschmacks definierendes Element ist Minze, und so kommt er der Version des King of Spirits Gold sehr nahe, bei dem sie den Wermut in der Flasche vergessen hatten. Doch auch hier empfehle ich wie bei allen Cami's, auf Grund der nicht vorhanden Vor-Zuckerung, dringend zwei Stück Zucker und das tschechische Ritual anzuwenden, das den Alkohol sanfter werden läßt.

Der neueste Cami namens Toulouse Lautrec (68%) enstand ursprünglich aus Ulrich Hosse's (absinth-oase.de) Anspruch, zu beweisen, daß eine tschechische Destillerie problemlos einen französischen Absinthe herstellen könne.

Daß dies dann doch nicht ganz so einfach ist, zeigt allein seine Herstellungszeit, die mehr als ein Jahr überdauerte. Man muß allerdings neidlos zugestehen, daß sich die Mühe gelohnt hat, und nunmehr der erste Absinthe aus Tschechien (vielleicht mit Ausnahme des Logan Fils) entstand, der seines Namens würdig ist.

Seine Farbe ist entgegen der Bemühungen der Destillerie transparent, dafür besitzt er eine sehr ansehnliche Trübung. Geschmacklich ist der Toulouse Lautrec recht rund im Geschmack, das Wermut-Destillat ist gut schmeckbar, allerdings nicht vergleichbar mit den Jade Absinthen, die zu toppen dieses Produkt angetreten war. Der ausschließlich verwendete grüne Anis fügt sich gut ein, daneben vernehme ich einen ungewöhnlichen Beigeschmack, über dessen Ursprung ich mir nicht sicher bin.

Alles in allem ist dieses Produkt etwas über denen der Destillerien von Emile Pernot und Lemercier angesiedelt, was für einen tschechischen Absinth definitiv einen Quantensprung darstellt, in der obersten Liga von Jade, Devoille, Kübler und Montmartre kann er allerdings nicht mitspielen.