Bairnsfather Havel's Sebor
Bitter Normal Reality Gold Alpen Normal Strong Export Krasna Lipa


Nachdem Hill's als erster den Namen Absinth für seine Zwecke mißbraucht hat, um einer breiten Masse ein völlig anderes Produkt unterzujubeln, hatte Martin Sebor die Ambition einen qualitativ hochwertigeres Produkt zu kreieren, welches allerdings als Vorbild sich eher an ihm bekannte Kräuterliköre wie Becherovka orientierte, als an historischem Absinthe.

Und so entstanden die ersten beiden Produkte namens Krasna Lipa (55%) und Sebor Strong (60%), die durch Mazeration und eine Art Tiefkühl-Destillation hergestellt werden, bei der das über einen Monat dauernde Mazerat bei -8°C durch Mikrofilter gejagt wird, die dadurch aus molekularer Ebene einen Teil der Bitterstoffe abtrennen.

Dieses Verfahren, welches bis heute für alle (grünen) Sebor-Absinthe verwendet wird, hat zur Konsequenz, daß diese alle eine natürlich tiefgrüne Farbe haben, die seines gleichen sucht, aber leider nicht alle Bitterstoffe entfernt werden können, was sie von westlichen Produkten, wie von historischem Absinthe unterscheidet, und außerdem dafür sorgt, daß sie vorgezuckert werden müssen, um die Bitterkeit zu kompensieren.

Der Sebor Strong wurde später von der Delis Destillerie weiter hergestellt, allerdings als mieserables Plagiat, das dem original nicht das Wasser reichen kann. Ich selbst habe das inzwischen Czech Strong heißende Abbild noch nicht probiert, da es aber nahezu identisch mit dem Zelena Muza sein soll, habe ich es damit auch nicht sonderlich eilig.

Nach den beiden Erstlingswerken entsanden einige Produkte, die für andere Firmen zunächst exklusiv hergestellt wurden, so der Sebor (55%), der in England vermarktet wurde, der Havel's (60%) und des bis heute einzige Destillat namens Havel's Alpen (60%), welches leider floppte und deshalb nicht mehr hergestellt werden wird, und das obwohl dieses als einziges den Namen Absinth zurecht trug.

Kurz vor dem Tod Martin Sebors entwickelte er noch den Havel's Gold (60%), welcher unter seinen Mazeraten sicher noch der beste war, der je auf den Markt kam, aber leider nur ein oder zwei Chargen lang lebte, und von denen es in Deutschland nicht mehr als 100 Flaschen gab, und den Excelsior (55%), der nie in Produktion ging.

Nach Sebors Tod übernahm Kyle Bairnsfather die Destillerie und brachte zwei Brände namens Bairnsfather (55%) und Bairnsfather Bitter (55%) heraus, die unter allen Sebor-Absinthen sicher das mieseste darstellten, was die Sebor-Destillerie bisher verlassen hat.

Geschmacklich werden alle (grünen) Seborprodukte durch das Wermut-Mazerat, sowie Fenchel dominiert, welches durch etwas Anis und Minze abgerundet wird. Die verschieden ausgeprägte Intensität des Wermut-Mazerats und des Anis allein definieren den Unterschied zwischen den verschiedenen Sebor-Sorten.

Am wenigsten Bitter ist der Sebor Strong, der allerdings fast ein bißchen dünn anmutet. Der Krasna Lipa ist schon voller im Geschmack, noch kaum bitter, mit wenig Anis. Der Sebor ist etwas herber, mit ein klein wenig mehr Anis, und der Havel's ist vom Wermut-Mazerat her identisch, mit mehr Alkohol und mehr Anis. Der Havel's Alpen könnte eine destillierte Version des Havel's sein, die eine bessere Version des Versinthe Blanche darstellt, bei der man auf Grund der fehlenden Bitterkeit etwas Minze und Anis und ein etwas zu schwaches Wermut-Destillat zu schmecken bekommt. Der Havel's Gold ist nochmal etwas herber als der Sebor, mit mehr Anis, der aber sehr rund herüberkommt. Der Bairnsfather ist eine eher mäßige Kreuzung aus Havel's Gold und Krasna Lipa, also mit weniger Anis als Havel's Gold und trotzdem recht rund, und der Bairnsfather Bitter ist so jämmerlich vollgepumpt mit dem Mazerat, daß er geschmacklich unter aller Sau ist, nur um den Thujon-Gläubigen Tribut zu zollen.

Der jüngst auf den Markt gekommene Bairnsfather Reality (60%), der in der ersten Charge leider halbwegs ungenießbar war, hat sich dann in der zweiten Charge doch noch als Froschkönig unter den tschechischen Absinthen herausgestellt, der das Erbe des Havel's Gold würdig weiterführt. Auch wenn es sich hierbei kaum um einen Absinthe handelt, so ist er sicher das Aushängeschild für die sog. böhmische Absinth-Kultur, was heißt, daß er sicher der raffinierteste Wermut-Likör ist, den es auf dem Markt gibt, und ich persönlich ihn als solchen auch durchaus schätze.