Wer denkt, daß tschechische Absinthe a priori Anis-arm seien, wird durch die Trul-Absinthe eines besseren belehrt. Wer hingegen denkt, daß blaugrüne oder rote Absinthe automatisch chemisch schmecken und Zucker ohne Ende enthielten, wird sich hier auf's neue bestätigt sehen.

Der Trul Absinthium 1792 (70%) ähnelt nicht nur von der Farbe dem übelsten Vertreter Böhmischer Absinthkunst wie Hill's oder Fruko Schulz, sondern auch von seinem Minz- und Chemie-Aroma. Hinzukommt hier lediglich eine ordentliche Portion Wermut, der diesen Absinth durchzieht, und wohl in Form eines doch recht guten Wermutöls hinzugefügt wurde, und eine mittelstarke Portion Anis- oder Sternanisöl, die ihn von den o.g. Sorten abhebt, und sogar eine halbwegs passable Trübung zustande bringt. Trotz seiner Mankos ist somit der Trul eine der wenigen tschechischen Sorten, die man überhaupt als Absinth bezeichnen kann, wenn auch keines Falls als einen hochwertigen.

Die rote Version Trul Absinthium Red (70%) unterscheidet sich neben der ekelerregenden künstlich roten Farbe mit einem leichten Blaustich auch im Geschmack von der blau-grünen Version. Denn hier wurde das Minzaroma reduziert und der Anis-Anteil etwas erhöht. Leider kommt dadurch der chemische Touch noch besser durch, welcher mich beim probieren ohne zusätzlichen Zucker irgendwie an eine Light-Cola erinnerte, so daß ich den roten insgesamt als noch schlimmer empfinde, als den normalen Trul.