Reine Handarbeit

Julian Segarra's Absinthe sind sicher das aufwändigste und naturbelassenste, was die Absinthe-Kultur der Gegenwart aufzuweisen hat. Wildwachsender Wermut wird von ihm persönlich gepflückt und dann in von ihm eigens hergestelltem Weinalkohol destilliert. Beide Versionen bestehen ausschließlich aus Weinalkohol, Wermut und Anis.

Der Segarra 45(%) weist neben einem kräftigen Destillat aus Wermut und grünem Anis ein leichtes Holz-Faß-Aroma auf, welches durch die abschließende Lagerung in Eichenfässern zu Stande kommt, aus der er seine blaßgrüne Farbe bezieht.

Es ist wirklich kaum zu glauben, was man aus so wenigen Zutaten herausholen kann - und so ist der Segarra 45 trotz des Manko's der Eindimensionalität ein absolutes Muß für jeden Absinth-Kenner.

Etwas anders verhält es sich mit dem Segarra 68, der mit einem Preis von rund 100€ sicher kein Getränk für Jedermann ist. (Die Flasche, die hier links im Bild zu sehen ist, ist übrigens die Prototyp-Flasche, die ich Cristina Lafuente vom Spiritscorner abschwätzen konnte.)

Beim Segarra 68 ist Julian Segarra, was den Wermut-Gehalt betrifft, an die Grenze des Machbaren gegangen. Der Aufwand ist enorm: Pro Liter fertigem Absinth werden ca 50l Rohalkohol und mehrere hundert Gramm Wermut verbraucht, weil wahrscheinlich in mehreren Destillationsgängen immer wieder nur der beste und intensivste Teil des Destillats genommen wird, und der Rest weggeschüttet. Unglaublich! Und so übertrifft der Segarra 68 sogar Francois Guy, Kübler und die Jade-Absinthe an Wermutigkeit.
Leider hat Segarra auch bei diesem seine Tradition beibehalten, nichts als Wermut und Anis zu verwenden, und so resultiert die Farbe des Segarra 68 aus einer hier leider relativ deutlichen Wermut-Färbung, die dazu führt, daß man bei den ersten Schlücken von der Bitterkeit etwas überrollt wird, und erst nach einem halben Glas das unglaubliche Wermut-Aroma sich auf der Zunge breit macht. Würde es Julian Segarra hinkriegen, auch noch irgendwo wild wachsende Pontica zum Färben aufzutreiben, wäre dieser Absinthe der absolute Hammer.

So, wie er ist, wird sein Geschmack dem Aufwand leider nicht gerecht, so daß ich den 45er vorziehe!

Nichts desto trotz sollte jeder ihn einmal probieren, um zu wissen, wie ein Absinth schmeckt, der wirklich richtig ordentlich Wermut (Destillat) enthält. Wer danach jemals noch einen Père Kermann's probiert, wird merken, wie sehr er bei solchem Fusel betrogen wurde!