Einführung: Was ist Absinth?
Absinthe entstand Anfang bis Mitte des 18-ten Jahrhunderts im Val de Travers im
französischsprachigen Teil der Schweiz als Alkohol-Destillat aus Wermut, Anis und weiteren Kräutern,
welchem eine Wirkung als Allheilmittel nachgesagt wurde,
und so besteht authentischer Absinthe bis heute aus einem Sammelsurium aus Heilpflanzen.
Heutzutage drängt eine Vielzahl von Produkten auf den Markt, welche sich selbst als Absinthe, Absinth, Absenta, Absint, Absinto
oder zB als Liquor aux Plantes d'Absinthe bezeichnen. Doch was haben all diese Sorten gemein?
Die erschütternde Antwort ist: So gut wie nichts!
Absinth ist kein geschützter Begriff, und die EU hat bei der Gesetztesgrundlage,
mit der sie 1988 dafür sorgte, daß Absinth in Europa wieder legalisiert werden konnte,
zwar für die Begrenzung des Thujonwertes gesorgt, aber leider gänzlich versäumt,
eine Definition dieser Spirituose anzugeben, so daß sich inzwischen völlig legal
alles Absinth nennt und nennen darf, was die leiseste Spur von Wermut in irgendeiner Form enthält.
Um einen Überblick über die Sortenvielfalt zu bekommen,
kann man die heute erhältlichen Sorten in verschiedene Kategorien einteilen,
die vor allem durch die Herstellungsweise bedingt wird und stark
mit der geographischen Herkunft in Verbindung steht.
Absinthe Verte (Qualitée Superieure)
Als solchen bezeichnet man ein Alkohol-Destillat aus Wermut (Artemisia Absinthum), grünen Anis (Pimpinella Anisum), meist auch Fenchel, und anderen Kräutern,
welches nach dem Destillationsgang mit Artemisia Pontica und ggf anderen Pflanzen gefärbt wird.
Der Geschmack eines solchen Verte ist komplex doch geprägt vom Wermut-Destillat, vom Anis und von der Pontica-Färbung,
welche von einem Körper aus anderen Kräutern abgerundet wird. Sein Alkohol-Gehalt liegt zwischen 65 und 74%vol,
der deshalb so hoch ist, weil das farbgebende Chlorophyll bei niedrigeren Alkohol-Konzentrationen nicht dauerhaft stabil bleibt.
Während im 19-ten Jahrhundert fast alle namhaften Produkte zu dieser Kategorie gehörten,
gibt es bisher nur einige wenige Produkte aus Frankreich, und vereinzelte aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Tschechien,
welche alle ausschließlich durch Mitwirkung passionierter Absinth-Liebhaber aus den USA, England, Österreich und Deutschland zustande kamen,
und nicht aufgrund der eigenen Initiative der Hersteller.
La Bleue / La Blanche (Qualitée Superieure)
Im Gegensatz zum Absinthe Verte wird hier nach der Destillation keine Färbung vorgenommen,
so daß das Produkt transparent bleibt.
Die sonst für die Färbung verwendeten Kräuter werden entweder vor der Destillation zugegeben,
oder nicht verwendet.
Der Geschmack unterscheidet sich dadurch auch von einem Verte, daß er von Natur aus lieblicher ist,
da die Färbekräuter einen leicht herben Beigeschmack beisteuern.
Deshalb werden Bleues und Blanches zumeist auch ohne Zucker getrunken.
Da der Reifeprozeß durch einen höheren Wasseranteil begünstigt wird,
und keine Probleme durch Chlorophyll-Zersetzung auftreten können,
werden Bleues meist auf 50-55%vol verdünnt abgefüllt.
Heutzutage findet man Bleues vor allem in der Schweiz vor,
wo solche Produkte auch während des Verbots illegal weiter produziert wurden.
Absinthe-Anisette
Ein Destillat aus Wermut und Anis mit geschmacklich sehr zurückhaltenden Anteilen anderer Kräuter,
meist auf 45%vol verdünnt, dem die Komplexität der ersten beiden Kategorien fehlt.
Trotzdem sind diese Absinthe absolut empfehlenswert und einwandfrei,
da hier meist das Wermut-Aroma hier am besten heraus kommt,
auch wenn der Anis zum Teil relativ dominant ist.
Auch diese Kategorie greift auf eine Tradition zurück,
welche nach dem Absinth-Verbot in Europa durch die Anisettes (ohne Wermutanteil) fortgesetzt wurde,
und sich vor allem in Frankreich großer Beliebtheit erfreuten.
Absinth mit Notbehelfen
Ein Wermut-Destillat, bei dem jedoch entweder bei dem an ein paar Ecken gepfuscht wurde,
in dem einer oder mehrere der folgenden Fehler gemacht wurden:
- Ätherische Öle:
Außer dem Wermut-Destillat werden keine weiteren Kräuter im Alkohol destilliert,
sondern alle als ätherisches Öl zugesetzt.
Die Methode ist sowohl historisch als auch geschmacklich adäquat,
wenn auch von minderer Qualität als die reine Destillation.
- Wermut-Färbung:
Das Destillat wurde anschließend zur Färbung nochmals mit Wermut versetzt, dadurch werden die Bitterstoffe, die beim Destillieren entfernt wurden, zum Teil wieder zugesetzt.
- Zusatz von Wermut-Mazerat:
Um die Spirituose vorsetzlich bitterer zu machen, wird ein bißchen Wermut-Mazerat zugesetzt,
was den Kunden vorgaukelt, sie habe einen hohen Thujongehalt.
- Anethol-Zusatz:
Weil der Absinthe zu dünn ist, werden ihm Anethole zB in Form von Sternanis-Öl zugesetzt.
- Anis-Mazerat:
Nach der Destillation wird der Anis durch Mazeration hinzugefügt, was ihn ähnlich bissig macht wie Sternanis.
- Künstliche Färbung:
Um sich den Aufwand zu ersparen, authentische Färbekräuter (insbesondere Artemisia Pontica) aufzutreiben, wurde das Destillat einfach mit Lebensmittelfarbe versetzt.
Dies verursacht, daß der typische Geschmack der Färbekräuter fehlt, und dafür ein teils merkwürdiger Geschmack der künstlichen Farbstoffe im Hintergrund zu spüren ist.
- Vorzuckerung:
Um z.B. die o.g. Herstellungsfehler zu vertuschen, wird Zucker zugesetzt, der die Bitterkeit des Wermut oder künstliche Aromen relativiert.
Man kann sagen, je mehr Zucker verwendet wurde, desto mieser ist die Qualität eines Absinthes.
- Unübliche Kräuter:
Häufig wird vor allem anstatt von Anis der viel aggressivere Sternanis verwendet,
was ein komplett anderes Geschmacksbild erzeugt und Herstellungsfehler verdeckt,
weil der Geschmack von Sternanis im Gegensatz zum grünen Anis so aggressiv ist,
daß Feinheiten untergehen.
In traditionellem Absinthe findet man hingegen Sternanis gar nicht oder nur als marginale Zutat vor.
Trotzdem kann man diese Spirituosen noch irgendwie als Absinth bezeichnen, da sie das wesentliche Element, nämlich das Wermut-Destillat noch enthalten.
Man findet diese Kategorie besonders unter den besseren spanischen Absentas vor,
die fast alle künstlich gefärbt wurden und häufig Sternanis enthalten oder fast gar keine Bestandteile außer Wermut.
Außerdem in Frankreich, wo von einigen Herstellern gerne Sternanisöl, künstliche Anethole, Zucker
oder Wermutmazerat nach der Destillation zugesetzt wird.
Pastisinthe
Diese Sorten kann man als Pastis mit Wermuteinlage bezeichnen, da sie anstatt eines Anis-Destillates
meist ein Sternanis-Mazerat enthalten und den Wermut meist nur als Mazerat.
Vom historischen Standpunkt aus, hat diese Herstellungsweise mit Absinthe nicht das geringste zu tun,
und obwohl man die besseren Vertreter dieser Kategorie noch trinken kann,
haben sie auch geschmacklich mit Absinthe nicht allzuviel gemein.
Hinzu kommt häufig noch Zucker, und bei den minderwertigsten Produkten künstliche Farbe.
Die meisten dieser Sorten stammen aus Deutschland, wo leider fast alle Sorten in diese Kategorie fallen,
einige kommen aus Frankreich, und die minderwertigsten Sorten aus Spanien fallen auch in die Rubrik.
Wermutlikör oder Kräuterbitter
Hierbei handelt es sich um Wermut-Mazerate die im Gegensatz zu den Pastisinthen nicht vornehmlich nach Sternanis
sondern nach irgendetwas anderem schmecken, was mit Absinthe überhaupt nicht viel zu tun hat.
Die einzige hauchdünne Gemeinsamkeit, die den Herstellern die absurde Idee eingab,
ihr Produkt als Absinth bezeichnen zu müssen, ist die Tatsache, daß sie eben Wermut enthalten,
der als Mazerat häufig vor lauter Bitterkeit den Geschmack komplett versaut.
Die besten Produkte dieser Kategorie stammen sicher aus der Martin-Sebor-Destillerie,
die sich wenigstens die Mühe macht, durch Gefrierfiltration einen Teil der Bitterstoffe zu eliminieren.
Die anderen Hersteller greifen meist eher zu größeren Mengen Zucker, um das Problem zu kaschieren.
Einige Sorten werden darüber hinaus noch mit Wermutöl auf einen höheren Thujon-Gehalt gebracht,
um sie dann an Ahnungslose für völlig überhöhte Preise verkaufen zu können.
Diese Produkte kommen meist aus Tschechien, einige aber leider auch aus Deutschland oder Österreich.
Non-Sinthe (Marketing-Strategie ohne Bezug zu historischem Absinthe)
Hierunter fallen viele Ölmixe (teils aber auch Mazerate und sogar Destillate),
die wie Mundwasser, Neutralalkohol, Obstler oder irgendetwas anderes schmecken,
das mit Absinth überhaupt nichts zu tun hat.
Entweder werden diese Sorten rein aus ätherischen Ölen gemixt,
die leider aus Anisphobie aus völlig falschen Komponenten bestehen,
oder das ganze wird derart dilettant angestellt, daß das Endprodukt ungenießbar ist.
Viele Vertreter dieser Kategorie kommen aus Tschechien, Portugal, Italien,
und natürlich auch aus Deutschland,
wo man (zu meinem Leidwesen) stehts bemüht ist nur den allergrößten Schrott zu produzieren.
Wie kommt der Wermut in den Absinthe?
Vor allem an diesem Punkt trennt sich die Spreu vom Weizen.
Folgende Praktiken sind dafür heute üblich:
Die Alkohol-Destillation
Möglichst klein gehacktes Wermut-Kraut wird in einem auf 40-50%Vol verdünnten Alkohol-Wasser-Gemisch
bis zum Siedepunkt des Alkohols (bei 78-84°C, mit einer Kessel-Temperatur zwischen 70 und 80°C) erhitzt, und der gasförmige Alkohol mit den darin gelösten Bestandteilen
des Wermuts durch ein sog. Geistrohr über dem Kessel abgeleitet, gekühlt und dann in wieder flüssigem Zustand in einem Behälter aufgefangen.
Dabei wird nur der mittlere Teil des Destillats verwendet, bei dem die Gas-Temperatur bei 83-84°C stabil ist,
während einige Tropfen des u.U. Methanol-haltigen Vorlaufs weggeschüttet,
und der ungenießbare Nachlauf zur weiteren Verwendung gesondert aufgefangen werden.
Auch dabei gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen:
- Der Wermut wird in einem eigenen Destillationsgang destilliert, und dann mit anderen Destillaten aus Anis, Fenchel, Ysop, etc. vermischt,
wodurch man sich zum einen das Problem vom Hals hält, daß Wermut besser bei niedrigen Temperaturen destilliert wird um Foreshots und Nachlauf zu vermeiden,
und Anis besser bei hohen Temperaturen, weil das Destillat dann geschmacksintensiver wird. Und zum anderen, daß die naturbedingte Variation der Kräuterintensität
durch anschließende Anpassung des Mischungsverhältnisses ausgeglichen werden kann. Auf diese Art werden zB die Devoille Absinthe hergestellt.
- Wermut, Anis, und die anderen Kräuter werden zusammen auf ein konzentriertes Niveau destilliert, und dann mit Neutralalkohol und Wasser verdünnt. Dies ist kostengünstiger,
weil weniger Destillationsgänge für die gleiche Menge Absinthe von nöten sind. Diese Praktik wird von Lemercier und Pernot verwendet.
- Wermut wird mit den anderen Kräutern direkt zum Ausgangsprodukt destilliert, und es findet lediglich eine Verdünnung mit Wasser statt.
Dies ist sicherlich die schwerste Methode, da hinterher keinerlei Fehlerkorrekturen möglich sind.
Auf diese Art werden die Produkte von Guy, Kübler, Segarra und Jade hergestellt.
Die Wasserdampf-Destillation
Wasserdampf (bei einer Siedetemperatur von ca 100°C) wird durch Wermut geleitet, und löst dabei Wirkstoffe aus dem Feststoff heraus.
Der immense Vorteil davon ist der Kostenfaktor, da man mit einem einzigen Destillationsgang ein Konzentrat für zig Tausende Liter Alkohol erhält.
Das Produkt einer Wasserdampf Destillation ist ein ätherisches Öl in welchem sich bestimmte chemische Substanzen in sehr hohen Dosierungen
bis hin zur Reinform konzentrieren lassen. Im Falle des Wermuts ist dies Wermut-Öl und die chemische Substanz heißt Thujon.
Kippt man nun ein solches Destillat in Alkohol, wie es bei minderwertigen Produkten geschieht,
so landen mit nichten die gleichen Elemente im End-Produkt, wie bei der Alkohol-Destillation.
Und so schmeckt ein mit Wermut-Öl angereicherter Neutralalkohol überhaupt nicht nach Wermut, sondern viel mehr wie ein Menthol-Konzentrat.
Die Alkohol-Mazeration
Diese Methode ist eigentlich nur eine Vorstufe zur Destillation, in der die Kräuter zunächst in Neutral-Alkohol ziehen gelassen werden.
Da dies natürlich weit weniger aufwändig ist, als eine Destillation, haben einige Hersteller moderner Absinthe versucht die anschließende Destillation zu umgehen.
Ein Wermut-Mazerat ist unerträglich bitter, da sich im Alkohol am ehesten der Wirkstoff Absinthin löst.
Um diesen ohne Destillation soweit auszudünnen, daß das Ergebnis trinkbar ist, wird entweder
- ein nur sehr kleiner Teil eine sehr kurze Zeit mit Wermut versetzt und dann abgefiltert, oder
- Wermut und Alkohol in einem geschlossenen Behälter stark erhitzt, wodurch man eine Art Konzentrat bekommt, von dem man nur wenige milliliter zusetzen muß,
um einen schmeckbaren Wermut-Unterton zu erzeugen.
Warum ist Absinthe grün?
Im wesentlichen verdankt sicher der Absinthe ursprünglich seine grüne Farbe der Tatsache,
daß ein naher Verwandter des Wermut (lat. Artemisia Absinthum) namens Artemisia Pontica
(auch pontischer oder römischer Wermut genannt), der auch sehr lecker schmeckt und als Mazerat nicht so unerträglich bitter ist,
wie Wermut selbst, und es deshalb nicht nötig ist, ihn mitzudestillieren.
Dieses Kraut erzeugt in kürzester Zeit in Alkohol eine tiefgrüne Farbe,
die allerdings in wenigen Wochen vor allem unter Lichteinwirkung sehr ausdünnt,
da der Farbstoff namens Chlorophyll (wie allseits bekannt sein drüfte) unter Lichteinwirkung zerfällt,
so daß dann ein Absinthe-typisches blasses grün entsteht.
Nun ist Artemisia Pontica heut' zu Tage schwierig zu kriegen, da die Pflanze weit weniger Pflegeleicht ist,
als Artemisia Absinthum. Und außerdem sind natürlich künstliche Farbstoffe billiger, besser in großen Mengen zu produzieren,
und im 20/21-Jahrhundert traurigerweise zum State of the Art geworden, so daß noch nicht jeder zehnte, grüne Absinthe
eine authentische Färbung mit Artemisia Pontica erhält.
Einige Destillerien, die wenigstens ein bißchen was auf sich halten, aber bei denen es zur Pontica dann doch nicht reichte,
färben mit anderen Artemisen, wie Wermut oder Beifuß, was den Geschmack dann leider wieder untypisch bitter werden läßt,
und üblicherweise mit Zucker kompensiert wird.
Macht Absinthe blind? Warum wurde er verboten?
Und was hat es mit dem Thujon auf sich?
Was in früheren Tagen an Absinthe blind machte, ist exakt das selbe, was in qualitativ minderwertigem, schwarzgebrannten Wodka blind machen kann: Das Methanol.
Gott sei Dank sind die heutigen Lebensmittel-Verordnungen so strikt, daß das heute selbst in den aller miesesten Sorten nicht mehr vorkommen kann!
Und auch schwarzgebrannter Absinthe wird aus Neutralalkohol hergestellt, in dem sich im Prinzip Null Methanol findet, so daß man diesbezüglich absolut keine Bedenken zu haben braucht.
Das Verbot von Absinthe rührte einerseits aus wirtschaftlichen Interessen (der Weinbauern) und andererseits sicher auch aus Gründen der Volksgesundheit:
Damals konnte man in minderwertigem Absinthe von Methanol bis Kupfer-Sulfat so ziemlich jeden gesundheitsschädlichen Unsinn finden, den man sich denken kann.
Von daher war es sicher sinnvoll dem Einhalt zu gebieten. Hochwertiger Absinthe war hingegen niemals gesundheitsschädlicher als jedes andere alkoholische Getränk!
Ich habe in meiner Anfangszeit selbst an die berauschende Wirkung von Thujon geglaubt, und habe auch den einen oder anderen Selbstversuch mit Wermut-Öl unternommen.
Mein Ergebnis war schließlich das folgende:
- In Dosen von mehreren hundert Milligramm wirkt Thujon Paranoia auslösend, leicht bewußtseinsverändernd. Genauer gesagt, fängt man zB an, alle möglichen Dinge hinter seinem Nacken zu vermuten,
weil man ein merkwürdiges, leicht betäubendes Gefühl im Bereich des zentralen Nervensystems spürt.
Einen leichten Effekt der Zeit-Dehnung kann man in diesem Fall auch verspüren.
Aber das ganze ist nicht ansatzweise mit einem THC-Rausch zu vergleichen, der um ein zig-faches intensiver ist,
geschweige denn, daß man von einer echten Bewußtseinserweiterung sprechen könnte.
Und mit der Wirkung von Absinthe hatte das ganze überhaupt nichts gemeinsam!
- In hochwertigem Absinthe, befanden sich zu keiner Zeit Thujon-Konzentrationen, die es ermöglicht hätten, derartige Dosen aufzunehmen,
ohne an Alkohol-Vergiftung zu sterben. Allerdings ist bekannt, daß auch im 19ten Jahrhundert bei minderwertigen Sorten mit Wermut-Öl gapantscht wurde,
wobei aber dabei vermeindlich toxische Erscheinungen eher durch andere Gifte zu vermuten sind, die skrupellos mit verwendet wurden.
- Weiterhin muß ich sagen, daß der Glaube, in authentischem Absinthe müßten sich überhaupt meßbare Spuren von Thujon befinden,
allein schon durch den Absenta Segarra ad absurdum geführt werden, der so intensiv nach Wermut schmeckt,
wie ein Absinthe überhaupt nur danach schmecken kann, und in dem noch Niemand Thujon nachgewiesen hat.
- Thujon kommt in hohen Konzentrationen im Wermut-Öl vor, weil es dort bei Siedetemperaturen von ca 100°C aus dem Wermut extrahiert wird.
Durch kalte Mazeration sowie durch reine Alkohol-Destillation bei einem Siedepunkt von 78-84°C hingegen, wird dieser Stoff nur sehr geringfügig aus den Kräutern gelöst.
So kann man davon ausgehen, daß durch das idiotische Thujon-Reglement heute mehr Thujon im Absinthe ist, als im 19-ten Jahrhundert,
weil viele Hersteller versuchen mit Wermut-Öl und anderen Tricks die legale Thujon-Grenze bis auf's letzte auszureizen, um ihre Marktposition zu stärken.
Woran erkenne ich guten Absinthe?
Von außen im wesentlichen leider gar nicht!
Aber man kann viele der schlechten Sorten erkennen, so daß man,
wenn man einen guten vor sich hat einiges ausschließen kann:
- Absinthe aus dem Supermarkt ist ziemlich sicher Schrott.
- Leuchtend grüne, blau-grüne oder rote Farbe ist fast sicher ein K.O.-Kriterium!
- Als Inhaltsstoffe auf der Flasche sind nur Essenzen, Öle, Farbstoffe, Alkohol und Zucker angegeben - Finger weg!
- Bereits das Wort Infusion, oder Essence allein auf dem Etikett sollte einen abschrecken!
- Nach Alkohol ist der Hauptbestandteil Zucker - übelst!
- Die Brühe riecht stechend, künstlich oder chemisch - dazu muß man wohl nichts weiter sagen.
- Auf dem Etikett wird keine Destillerie erwähnt - dies kommt derzeit nur bei absolut miesestem Abwasser vor.
Damit bleibt einem vielleicht der größte Müll erspart,
allerdings kommt man an einer genauen Detail-Kenntnis, wie sie hier im Katalog zu vermitteln versucht wird, nicht umhin.
Welchen Absinthe soll ich kaufen?
Nachdem sich inzwischen einiges auf dem Absinth-Markt getan hat,
gibt es inzwischen einige Sorten, die zu einem erschwinglichen Preis zu haben sind.
Allerdings ist es illusorisch anzunehmen,
daß man einen echten Absinthe zu einem Preis von 20€ oder weniger in einer 0,7l Flasche bekommt,
da dies allein wegen der Alkoholsteuer, die bei dem hohen Alkoholgehalt entsprechend ausfällt,
und der teilweise immens teuren Kräuter ein Ding der Unmöglichkeit ist.
Ich habe sehr lange spanische Absentas (vor allem Montana 55, Lasala oder NS 55 / Candela) empfohlen,
die bei Preisen um 25€ pro Liter die unterste Preisgrenze darstellen, zu der man etwas trinkbares bekommt.
Allerdings sind auch hier künstliche Farbe und unübliche Kräuter enthalten, so daß man auch dadurch keine Ahnung bekommt,
was einen guten Absinthe ausmacht.
Die Sorten, die ich derzeit vom Preis-Leistungsverhältnis besonder empfehlen kann sind
neben den Devoille-Absinthen Libertine 55 und 72,
welche zu Preisen um die 30€ für eine 0,7l Flasche preislich kaum zu unterbieten sind,
vor allem der Duplais und der Montmartre
bei denen man zum gleichen Preis zwar nur eine 0,5l Flasche bekommt,
aber die für diesen Preis die authentischsten Vertes sind, was man kriegen kann.
Unter den Bleues und Blanches sind die Preisunterschiede wesentlich kleiner,
da Yves Kübler mit seinem Spitzenprodukt Kübler 53 Maßstäbe gesetzt hat.
Neben diesem ist auch der (für mich) beste derzeit kommerziell erhältliche La Bleue
Valote, Recette Martin mit einem Literpreis von ca 50€
durchaus erschwinglich, auch wenn man sich erstmal daran gewöhnen muß, 50€
für eine Spirituose auszugeben.
Aus der Kategorie der Absinthe-Anisettes ist sicher der Francois Guy,
den man in der 0,5l Flasche für ca 25€ kriegt, ein Produkt an dem auf Dauer Niemand vorbeikommt.
Insbesondere eignet sich dieses Produkt ganz hervorragend, um den Geschmack destillierten Wermuts
ansich erstmal kennenzulernen.
Wer die Kosten nicht scheut, und wirklich einen Absinthe haben will, der 100%ig so ist wie vor 100 Jahren,
der kommt an den Jade Absinthen für ca 80€ pro 0,7l auf Dauer nicht vorbei,
wobei mich bisher noch kein Jade-Absinthe im geringsten enttäuscht hat.
Allerdings dürfte ein Anfänger den Unterschied zwischen einem Jade Edouard
und dem Duplais nicht allzusehr bemerken,
so daß man sich für den Anfang besser an letzteren halten sollte.
Neben dem Thujon ist die in Deutschland weitverbreitete Anisphobie ein weiteres leidiges Thema.
Wenn einem Jemand erzählt, er stelle einen Absinth ohne Anis her, dann ist das in etwa so,
als wollte einem ein Becker erzählen, er stelle Brot ohne Mehl her.
Diese Produkte sind einfach nur falsch etikettiert, denn einen Absinth ohne Anis kann es nicht geben!
Viele guten Sorten, wie zB der Jade Nouvelle Orleans
oder der viel günstigere Montmartre enthalten zwar Anis,
dieser ist jedoch so unaufdringlich, daß auch eingefleischte Anis-Hasser beim Genuß dieser Sorten
nicht gleich die Krise kriegen werden!
Wo kann ich (guten) Absinthe kaufen?
Eins ist sicher: Nicht im Supermarkt!!!
Alles was man in hiesigen Supermärkten bekommt, fällt in die Rubrik Verbraucher-Nepp.
Auch kleine Läden führen zumeist nur Kommerz-Produkte zwischen Trenet und Versinthe Blanche.
Spätestens in dem Moment, in dem einem der Ladenbesitzer die Thujon-Werte vorbetet, sollte man unauffällig den Laden verlassen.
Eine Ausnahme ist die Laden-Kette Vom Faß (nicht zu verwechseln mit "Mein Faß" oder anderen Abfüll-Läden).
Hier gibt es einen sehr, sehr guten Absinthe Namens Emanuelle als Lose Ware für einen fairen Preis zu kaufen,
den ich allerdings nur noch bedingt empfehlen kann, da leider nicht jeder Vom Faß Laden das gleiche Produkt anbietet, obwohl alle den selben Namen tragen.
Ansonsten habe ich persönlich mich inzwischen darauf zurückgezogen, nur noch bei folgenden Shops zu bestellen:
- Andreas Mielecke's Absinthe24, dem Online-Shop mit der größten Auswahl,
- Markus Lion's Absinth-Vetrieb mit den meisten der weltweit besten Absinthe,
- Uli Hosse's Absinth-Oase, dem Spezialisten für tschechische Absinthe,
- Jens Oertling's 1a-Absinthe, als progressiver Shop mit fairen Angeboten.
Der Grund dafür ist folgender: Ich brauche keinen Schrott zum trinken, den leider viele Online-Shops anbieten.
Wenn man das beste vom besten haben will, ist Absinth-Vetrieb-Lion unumgänglich,
da er derzeit das größte Sortiment aller Spitzenabsinthe der Welt anbietet.
Wenn man zwar gute Sorten kaufen will, aber diese auch erstmal bezahlen können muß, dann bietet sich Absinthe24 an,
da er gerade bei größeren Bestellungen sehr faire Preise macht, und stets entgegenkommend ist.
Doch inzwischen haben andere Shops aufschließen können. Und so bekommt man bei der Absinth-Oase
inzwischen echten Spitzenabsinth aus Tschechien, was vor nicht allzulanger Zeit noch wie ein Paradoxon klang.
Und schließlich konnte mich auch 1a-Absinthe seit jüngstem
durch sein Engagement, gute und Spitzen-Sorten zu fairen Preisen in seinen Shop aufzunehmen, überzeugen.