Emanuelle
(Vom Faß)
La Charlotte Libertine 72
(Alt)
Libertine 55
(Alt)
Libertine 55
(Neu)
Libertine 72
(Neu)
Verte de
Fougerolles
Blanche de
Fougerolles


Die Destillerie Paul Devoille hat sich innerhalb von zwei Jahren von einer Feld, Wald & Wiesen Brennerei zu einer der besten Absinthe-Destillerien der Welt gemausert.

Während noch 2002 ihre anfänglichen Produkte Libertine 55 und der für die deutsche Einzelhandelskette Vom Faß hergestellte Emanuelle (55%) eine gezuckerte Pampe mit merkwürdigem Beigeschmack war, so gelang ihnen in Zusammenarbeit mit Liqueurs de France mit dem Verte de Fougerolles (72%) ein echtes Spitzenprodukt. Da die Marketing-Strategie von LDF leider im wesentlichen nur auf Groß Britanien und die USA zugeschnitten ist, und der Verte de Fougerolles exklusiv für diese hergestellt wird, wurde anschließend ein ähnliches Produkt, der Libertine 72 entwickelt, welches der Allgemeinheit zu wesentlich moderateren Preisen zugänglich gemacht wurde. Im Anschluß daran, wurde auch die Rezeptur des Libertine 55 und des Emanuelle überarbeitet, bzw im großen und ganzen der der 72er Version angeglichen. Schließlich wurde 2004 mit dem Blanche de Fougerolles (74%) wiederum exklusiv für LDF ein Absinthe erschaffen, der alles bis dahin dagewesene übertraf, und bis heute nur durch die Jade Absinthe an Komplexität getoppt wird.

Alle derzeitigen Devoille Absinthe sind Wermut-Destillate, die weder künstliche Inhaltsstoffe noch Zucker enthalten. Die grüne Farbe beziehen alle (bis auf den Blanche, der ungefärbt ist) allein durch Absinth-typische Kräuter. Als Besonderheit der Devoille Absinthe ist noch zu erwähnen, daß die Kräuter einzeln destilliert werden, und die Destillate anschließend vermischt, so daß geschmackliche Schwankungen der Kräuter ausgeglichen werden können.

Geschmacklich ist der Blanche de Fougerolles überwältigend intensiv, so daß man erstaunlicher weise von den 74% Alkohol nicht das geringste mehr zu schmecken bekommt. Er ist hervorragend ausbalanciert, so daß es schwer fällt, einzelne Kräuter zu nennen, die den Geschmack dominieren würden. Definitiv enthalten ist neben Wermut und einem eher unaufdringlichen Anis-Anteil Artemisia Pontica. Die anderen Devoille Absinthe teilen sich neben dem Basis-Geschmack, der eine abgemilderte Version des Blanche sein dürfte, alle einen Mandel-artigen Beigeschmack, welche in der älteren Version des 55er etwas übertrieben wurde, und deshalb zu einer Vorzuckerung führte, die heute nicht mehr vorhanden ist.

Im direkten Vergleich ist der Libertine 72 etwas gröber als der Verte de Fougerolles, und der Emanuelle dürfte im wesentlichen eine verdünnte Version des Verte de Fougerolles sein. Der Ende 2004 entstandene Absinthe La Charlotte (55%) ist eine etwas herbere Version des Libertine 55, was wahrscheinlich auf einen höheren Wermut-Anteil schließen läßt, und meines Erachtens nach keine Verbesserung darstellt, sondern eher das Gegenteil, und die nicht unerheblichen Mehrkosten auf keinen Fall rechtfertigt.

Insgesamt ist der Libertine 72 nach wie vor ein ganz hervorragender Absinthe für den Einstieg, auch wenn die inzwischen von Devoille an den Tag gelegte ständige Änderei an ihren Rezepten es einem etwas schwer macht, ihre Produkte noch zu empfehlen. Besonders beim Emanuelle würde ich inzwischen eher vorsichtig sein, weil dort - wie mir berichtet wurde - leider bei weitem nicht immer der gleiche Absinthe vorzufinden ist.